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Ganz schön was los hier

Autor: JohannesFriedri | Datum: 07 September 2013, 18:57 | 1040 Kommentare

Meine erste Arbeitswoche im Kgothatso

Um 7.30 Uhr startet mein Arbeitstag. Wenn ich ankomme, wird erstmal zusammen mit den anderen Lehrerinnen Tee getrunken, während die Kinder mit Bauklötzen spielen. Danach ist Assembley, Versammlung. Die Kinder stellen sich in Reihen auf und schreien auswendig gelernte Verse, wie zum Beispiel "Good morning teacher, we are fine and how are you?" oder "There are seven days in the week: Sunday, Monday, Tuesd......".

Es wird zusammen gesungen und gebetet. Danach werden die Kinder, die 3-6 Jahre alt sind, in zwei Klassen aufgeteilt. Als an meinem ersten Tag die Lehrerinnen kurz den Raum verlassen und ich alleine mit den Kindern bin, merke ich, wieso die Lehrerinnen oft ziemlich streng sind.
Plötzlich fallen zwei vom Stuhl. Ich habe an meinem linken und rechten Arm ein Kind hängen, so wie an meinem Hosenbein. Als dann das erste Kind anfängt zu weinen und ich wissen will was los ist, liegen dann plötzlich zwei weitere Kinder hinter mir auf dem Boden und lachen sich halb schlapp.
Man wird von den Kinder geliebt, wahrscheinlich gerade weil man nicht so streng ist. Aber etwas mehr Respekt muss ich mir wohl noch verschaffen, wenn ich sie alleine unterrichten soll. Ansonsten wird einfaches Englisch gelernt, gemalt, gelernt seinen Namen und Zahlen zu schreiben und es gibt Computer-Unterricht. Bis zum Mittagessen toben sich die Kinder auf einem tollen Spielplatz aus. Dann wird Essen ausgeteilt, und wenn jeder seinen Teller leergelöffelt hat und gesättigt ist, spüle ich das Geschirr mit Moloke. Einem netten jungen Mann, der unbedingt mit mir in den Norden Botswanas reisen möchte und nach Deutschland kommen will. Die Kinder haben währenddessen Mittagsschlaf bis sie abgeholt werden und ich helfe den anderen Teachers noch alles zu putzen. So um 16 Uhr ist dann Schicht.


Ein Teil des Hauptgebäudes mit Küche, Classroom, Sick Room, Computer Room..Mir ist noch kein besonders gutes Bild von den Kindern gelungen. Aber hier habt ihr mal einen ersten Eindruck, wie alt sie sind.Der Spielplatz.

(Wer die Bilder größer sehen will: Meine Fotoalben anschauen!)

 

Feiern

Mein erstes Wochenende hier ist erstmal ganz schön voll. Samstags findet eine Party für Moruti (Pfarrerin) statt. Sie hat hier einen höheren Stellenwert als der Pfarrer bei uns und geht in Ruhestand. Dafür wird donnerstags eine Kuh geschlachtet. Das will ich eigentlich live miterleben, aber irgendwie sagt mir dann doch keiner Bescheid. Vielleicht bei der nächsten Feier... Freitag Abend wird Gemüse geschnibbelt ohne Ende und eine Art Kürbisse geschält bis zum Umfallen. Samstag Morgen wird dann in riesigen Töpfen auf Holzfeuern das Fleisch gekocht. Man sagt mir, man isst alles von der Kuh, außer das Fell. Mir wird dann auch gleich morgens um 8.30Uhr Kuhmagen angeboten. Ich probiere natürlich: Zäh, aber gar nicht so schlecht. Die Feier startet dann um kurz nach 10Uhr in der Kirche und dauert endlos lang. Vor allem ohne ein Wort Setswana zu verstehen, sind die vielen Reden relativ einschläfernd. Aber zum Glück gibt es ja die alten Damen in der Kirche. Wenn ihnen was gefällt und das ist ziemlich oft der Fall schreien sie "ULULULULULU" mit dem schrillsten und lautesten Ton, den sie mit ihrer Stimme hinbekommen. Wenn die Damen dann auch noch hinter einem sitzen, schläft man so schnell nicht ein. Irgendwann hat doch alles ein Ende und Moruti bekommt ihr Abschiedsgeschenk. Eine Waschmaschine. Dann wird das mit Liebe vorbereitete Essen in kürzester Zeit verschlungen und die Party ist vorbei.
Aber das ist noch nicht alles. Danach werde ich noch zu einer Hochzeit mitgenommen. Ich habe den Eindruck, dass halb Gabane anwesend ist. Wahrscheinlich hat das Brautpaar noch nicht einmal die Hälfte der Besucher jemals davon gesehen. Auch hier wird viel gegessen und mir wird andauernd Bier angeboten.

Kochen am Morgen von Moruti´s Party

 

Essen und Trinken

Das Essen ist eigentlich bis jetzt relativ vielfältig, da man alles im Supermarkt kaufen kann. Als Beilage gibt es Hirsebrei, Bohnen, Reis, Nudeln und sonstige Breis. Dazu viel Fleisch. Meist Hühnchen oder Kuh. Und wer Angst hat, dass ich hier nicht genug zu Essen kriege, kann sich entspannt zurücklehnen. Ich werde gestopft. Solange ich nicht so ende, wie das nur noch schwach zuckende Hühnchen, was die Köchin vom Kgothatso in ihrer Tüte hatte, ist das auch gut so.
Wasser trinken hier alle aus der Leitung. So tue ich es also am ersten Tag auch. Mein verwöhnter deutscher Magen meinte dann aber, dass das Wasser nicht gut genug für ihn sei. Und lässt in den nächsten zwei Tagen alles durch, was ich zu mir nehme. Daraufhin mache ich ihm klar, dass er in den nächsten 12 Monaten nicht viel anderes kriegt, indem ich weiterhin Leitungswasser trinke. Jetzt ist Ruhe. Sonst gibt es viel Tee und so süßes orangefarbiges Zeugs.

Die Sprache

Bei einem normalen Gespräch auf Setswana verstehe ich nichts. Ich habe jetzt aber jeden Tag 2 Wochen lang Setswana-Stunden. Das ist durchaus sinnvoll. Die Kinder im Kgothatso sprechen kaum Englisch, so wie auch die ältere Generation. Auch Gottesdienste und längere Gespräche können ohne Setswana-Kenntnisse ziemlich langweilig sein.

Der erste Gottesdienst

Am Sonntag-Morgen mache ich mich fertig für den Gottesdienst. Der Gottesdienst beginnt um 10Uhr. Um Viertel vor will meine Gastmutter mit mir los gehen. Als sie dann um 20 vor anfängt zu duschen, wundere ich mich ein bisschen. Um kurz nach 10 Uhr machen wir uns dann gemütlich auf den Weg. Naja, sie gemütlich, ich die ganze Zeit mit dem Gedanken im Kopf, dass ich mich heute vorstellen muss, und es bestimmt nicht gut kommt wenn ich 20 Minuten zu spät komme. Sie meint nur: "Oh, we are a bit late". Auf dem 15minütigen Weg muss ich mich mit meinem Tempo zurückhalten. Mma Besele ist nicht mehr die schnellste.
Um 10.20Uhr kommen wir an der Kirche an. Ein Großteil der Gemeinde steht noch vor der Kirche oder kommt gerade erst an. Ich vergaß, dass der Gottesdienst um 10Uhr afrikanischer Zeit beginnt. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Der Gottesdienst beginnt dann, wenn die meisten da sind. Also um 10.30Uhr. Es wird viel gesungen, die meisten Lieder spontan ausgesucht. Die Predigt wird von meinem Mentor für mich netterweise übersetzt. Es gibt Abendmahl und Kollekten werden gesammelt. Meine aufgeschriebenen Vorstellungsworte auf Setswana bekomme ich auch gut über die Lippen.

Freundliches Gabane

Auf Gabanes Straßen grüßt man fast jeden, dem man über den Weg läuft. Eine Begegnung möchte ich mit euch teilen:
Meine Setswana-Lehrerin Mma J zeigt mir den Weg zur Kirche. Es kommt uns eine ältere Frau entgegen, die uns sofort überschwänglich begrüßt. Sogar mit Handkuss. Ich denke mir, dass es wohl eine sehr gute Bekannte von Mma J sein muss. Sie zupft an Mma J´s Kleid rum, fragt ob sie es nicht haben könnte, weil es so toll sei. Fragt, wer ich bin, woher ich komme und wohin wir gehen. Während sie immer wieder unsere Hand nimmt. Als sie uns wieder mit Handkuss verabschiedet hat, frage ich Mma J, wer die Frau gewesen sei. Mma J kennt sie nicht. In Deutschland hätte man die alte Dame wahrscheinlich für verrückt erklärt. In Botswana sei das normal, meinte Mma J.

Mein Schatten auf dem Weg ins Kgothatso Care Center.Ein Esel auf Wanderschaft. Im Hintergrund ein Teil der Hills um Gabane.

Waschen

Mich selber kann ich in einer Dusche waschen. Ich muss mich allerdings beeilen. Nach ein paar Minuten bleibt das Wasser weg. Beim ersten Mal duschen, weiß ich noch nicht, dass man den Warm-Wasser-Knopf vor der Badtür drücken muss. Die Wassertemperatur liegt gefühlt bei knapp über Null. Ich kriege es gerade so hin meine Haare zu waschen, ohne zu erfrieren. Hätte mir dann nicht mein Gastbruder gesagt, wie das mit dem warmen Wasser funktioniert, wäre es wahrscheinlich bei dem einen Mal duschen in dem Jahr geblieben. Naja, vielleicht an Weihnachten noch.
Meine Kleidung wasche ich in einer  Badewanne. Wasser rein, Waschmittel rein, Klamotten rein. Schrubben bis der Rücken krumm ist. Dann alles auswringen und raustun. Die Badewanne vom Schaum befreien. Neues Wasser einlaufen lassen. Klamotten wieder rein. Auswringen und raus. Badewanne vom Schaum befreien. Neues Wasser, "Weichmacher" und Klamotten wieder rein. Warten. Raus tun. Auf die Wäscheleine hängen. Fertig. Kinder, seid froh, dass ihr eine Waschmaschine habt.

Bars und Bier

Es soll dann doch ganze 24 Stunden dauern bis ich nach meiner Ankunft zum ersten Mal in eine Bar mitgenommen werde. Es ist eher eine Art Biergarten im Freien. Es wird gegessen und Bier getrunken. Chicken und St. Louis (Exportbier aus Botswana). Donnerstags sitzen wir dann in einer Jazzbar in Gabane. Wieder sehr gemütlich eingerichtet und mit südafrikanischer Livemusik. Insgesamt eine schöne Atmosphäre.

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