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"Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" und "Ich bin kein Idiot"

Autor: JohannesFriedri | Datum: 15 September 2013, 18:46 | 3167 Kommentare

Erst die Arbeit...
(Allerdings: Auch Arbeit kann Vergnügen sein.)

Kgothatso

Während die "Kleinen" nach einem anstrengenden Vormittag beim Mittagsschlaf vor sich hin schnarchen, kommen die "Großen" (bis etwa 12 Jahre) drei mal in der Woche zum Afterschool-Program. Es gibt vier Gruppen, in denen die Kinder ihre Talente entdecken, dazulernen oder einfach nur Abstand vom Schulstress nehmen können. Sport, Musik, Tanzen und Schoolwork. Tanzen ist allerdings noch nicht im Angebot, da ich als Lehrer dafür gänzlich ungeeignet bin.

Ich bin bis jetzt hauptsächlich für die Musikgruppe zuständig und in nächster Zeit auch für Schoolwork. Es gibt zwei Keyboards und zwei Gitarren. Der Plan ist es, eine kleine Band zu zusammenzukriegen. Davon sind wir zwar noch weit entfernt, aber ich bin zuversichtlich.
Die Sportgruppe spielt im Moment Tischtennis und wartet darauf, dass große Schachfiguren angeschafft werden. Ein großes Schachfeld haben wir in der letzten Woche neben den Spielplatz gepinselt. Als alles fertig ist, lutscht einer der Jungs an seinen Fingern. Plötzlich wird mir klar, dass er ohne mit der Wimper zu zucken, die frische schwarze Ölfarbe von seinen Fingern beseitigt. Bevor ich sagen kann, dass das sicher nicht so gesund ist, landet schon der letzte Finger im Mund. Ich stehe also mit halb offenen Mund da. Er grinst mich nur mit schwarz gefleckten Zähnen an. Naja, ich glaub, er hat´s überlebt...

Moloki mit den Afternoon-ChildrenNoch ein paar Kleinigkeiten...Das

 

Visum, Visum, Visum

Noch habe ich mein Visum für die nächsten 12 Monate nicht. Es müssen erstmal tausend Papiere ausgefüllt und Bescheinigungen beantragt werden. Statt also am Vormittag mit den Kindern Englisch zu lernen oder zu malen, bin ich stundenlang mit meinem Mentor Tsweks und dem Fahrer Makepe in Gabs (Gaborone) unterwegs. Teilweise irren wir "wie kopflose Hühner" (Makepe) durch die Stadt, um etwas zu finden. Ich lerne den Central Business District kennen, statte des Öfteren dem Head-Office der ELCB (Evangelical Lutheran Church of Botswana) einen Besuch ab, lasse drei verschiedene Passfotos machen, weil jedes Mal irgendwas nicht richtig ist und so weiter...
Außerdem besuchen wir ein privates Krankenhaus, um eine ärztliche Bescheinigung ausfüllen zu lassen. Der erste Satz besagt: "I hereby certify, that Johannes Friedrich is not suffering from any of the disabilities referred to in Note 1". Der erste Punkt unter Note 1 ist: "being an idiot". Auf deutsch: Es soll also (an erster Stelle) sichergestellt werden, dass ich kein Idiot bin. Das private Krankenhaus will mich dafür zu mehreren Ärzten schicken und verlangt umgerechnet 200€. Ganz so blöd sehe ich doch nun auch wieder nicht aus, oder ?! Auf jeden Fall landen wir schließlich bei einem Arzt, der mir alles nach 5 minütiger Untersuchung für knapp 10€ ausfüllt und unterschreibt. Ein tolles Gefühl offiziell bestätigt zu haben, kein Idiot zu sein.


Ein unerwartet schöner Trip

Eines Freitags Morgen nimmt mich mein Mentor zum Kirchenkreistreffen der ELCB mit. Ich befürchte schon endlos lange Reden auf Setswana. Das Treffen findet in Otse statt, was einige Kilometer von Gabane entfernt ist. Wie lange wir unterwegs sind, weiß ich allerdings nicht, da ich zu sehr von der tollen Landschaft abgelenkt bin. Rechts und links von uns bauen sich Hügel mit roten Felswänden auf. Im ebenso roten Sand wachsen trockene Sträucher und dürre Bäume. Man kann die wilden Tiere quasi riechen. Sie sind aber das einzige, was fehlt, um die Afrika-Klischees an dieser Stelle komplett zu machen. Nur ein Affe lässt sich blicken. Stattdessen laufen Ziegen, Esel und Kühe am Straßenrand entlang. Die Autofahrer machen sich mit Warnblicklicht einander aufmerksam, falls eines der Tiere zu nah am Straßenrand ist. Mit einer Kuh auf der Motorhaube lässt es sich bei einem Tempo über 100 wahrscheinlich nicht mehr so gut fahren.
Irgendwann kommen wir in Otse an. Das Meeting findet in einer Kirche statt und ist wie bei einer Pressekonferenz aufgebaut. Im "Publikum" sitzen die hohen Tiere der jeweiligen Gemeinden mit ihren Tablets und Smartphones (und ich). Vorne am langen Tisch sitzen die ganz hohen Tiere der ELCB. Als ich mir den Tagesplan anschaue, werden meine Befürchtungen von endlos langen Reden auf Setswana Wirklichkeit. Ich habe das Gefühl, dass der ehemalige Bischof, der gerade an der Reihe ist, mir helfen möchte etwas zu verstehen. So langsam spricht er... Ich verstehe allerdings trotzdem nichts. Doch nach 15 Minuten erlöst mich Tsweks völlig überraschend, und meint, dass wir wieder zurückfahren. Er muss noch vor 12 Uhr in Gabs sein. Also kann ich wieder in Ruhe die Aussicht aus dem Autofenster genießen.

OtseDer Blick aus dem Autofenster auf dem Weg nach Otse.Der Blick aus dem Autofenster auf dem Weg nach Otse.

 

...dann das Vergnügen

Meine letzten zwei Samstage bestanden hauptsächlich aus einem Besuch in Gabs, Fußball gucken und Grillen.
Von Gabane aus kann man mit "Kombis" nach Gaborone fahren. Alle paar Minuten kommt einer vorbei. Wenn die Karre voll ist, gehts los. Das geht meistens ziemlich schnell. Für etwa 30 Cent fährt man dann ca. 45 Minuten in die Stadt. Gabs selber finde ich relativ unattraktiv (vielleicht kenne ich auch einfach die schönen Seiten noch nicht). Moderne Bürogebäude, neue Hotels und große Malls zeigen allerdings wie weit entwickelt die Stadt ist. Mein Gastbruder Tshegetso zeigt mir einige der Malls, in denen man eigentlich alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Nach einem kurzen Besuch der Regierungsgebäude geht es dann zurück nach Gabane.
Um 15Uhr spielt nämlich Botswana gegen Südafrika in der WM-Qualifikation. Das Prestige-Duell. Das müssen wir natürlich sehen. Das schönste am Spiel sind aber eigentlich die Tänze beim Torjubel. Ansonsten ist das Spiel ziemlich einseitig. Botswana verliert 1:4. Danach wird gegrillt. An der Theke kann man sich gewürztes Fleisch für ca. 4€ pro Kilo kaufen und auf einem großen Grill grillen. Es ist das beste Fleisch, was ich wahrscheinlich je gegessen habe. Immer wieder kommen mehr oder weniger angetrunkene Barbesucher zu einem und grüßen einen mit Worten wie: "Howz it, my brother?!". Einer erzählt mir was vom "Holy Spirit", der in ihm steckt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er vom "Heiligen Geist" spricht oder doch vom Alkohol. Letzteres hat der Gute um diese Uhrzeit auf jeden Fall schon zu viel intus.
Eine Woche später wird in einer anderen Bar wieder Fußball geschaut. Südafrikanische Liga. Und gegrillt. Es ist schon später am Abend und dieses Mal stelle ich fest, dass das günstige Bier hier doch ein Problem darstellt. Sicherlich spreche ich nur von einigen wenigen. Aber diese einigen wenigen sind schon um 20Uhr am Abend in einem nicht-mehr-ansprechbaren Zustand.
Auch an den Bottle-Stores hier in Gabane sieht man schon ab dem Mittag Leute aus großen Tetrapacks Bier trinken. Und eines Sonntag-Mittags ruft mich ein Nachbar auf dem Heimweg von der Kirche zu sich. Er ist sichtlich angetrunken. Und meint, er wolle mir nur sagen: "God bless you!". Das ist ja schön und gut. Zu mir ist er auch sehr nett. Aber seine Frau und zwei Kinder, die daneben stehen, sehen nicht gerade glücklich aus.
Aber nochmal: Ich spreche hier nur von wenigen, bei denen es eindeutig zu viel ist. Das Problem lässt sich sicher nicht auf die Leute hier verallgemeinern!

Im Hintergrund Mein Gastbruder grillt das tolle Fleisch.

 

Wie immer: Bilder in groß gibts in meinem Fotoalbum!

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